Biobauer und Lama-Flüsterer

Isidor Sepp

Lama-Trekking mit Isidor Sepp
Isidor Sepp ist Biobauer und «Touristiker», respektive Vermittler zwischen Stadt und Land – beides schon seit langem. Gemeinsam mit Frau und Kindern betreibt er einen Hof in Müstair, wo er eine Ferienwohnung, ein Massenlager, Schlafen im Stroh und Lama-Trekkings anbietet. Im Winter nimmt er die Gäste gerne mit auf Schneeschuhtouren. Ihm gefallen Austausch und Kontakt mit den Gästen und wenn er dabei noch ein paar selbstgemachte Salsiz oder Fleisch vom Hof verkaufen kann – umso besser.

Der Bauer Isidor

Gemeinsam mit seiner Frau Monica und den Söhnen Ivan und Sven bewirtschaftet Isidor Sepp den Bauernhof Puntetta (deutsch: Brücklein) in Müstair. Der Betrieb liegt unmittelbar neben dem Campingplatz Muglin, also quasi im touristischen Herzen von Müstair. Auf einer Fläche von 30 Hektar wächst Gras für seine Mutterkühe und den Stier. Teilen müssen sie sich dieses noch mit den Ziegen und vor allem mit den Lamas. Die majestätisch wirkenden Tiere, die ursprünglich aus Südamerika stammen, sind die eigentliche Attraktion auf dem Hof Puntetta.

Der Vermittler Isidor.

Der Vermittler Isidor

Bergbauern haftet gemeinhin das Image an schweigsam, knorrig und unzugänglich zu sein. Ein Vorurteil, das Isidor Sepp mit Schalk in den Augen, einem verschmitzten Lächeln und grosser Eloquenz widerlegt. Die Freude über die Besucher auf seinem Hof ist echt und «Touristiker» ist er genauso wie Bauer: mit Leib und Seele. Er schätzt den Austausch mit den Gästen, weshalb er Lama-Trekkings und Schneeschuhtouren anbietet. Und ja, sowohl das Znüni für die Trekkings und Touren als auch ein saftiges Entrecôte auf dem Grill der Feriengäste liefert er gleich noch mit. Dass sein Fleisch bei Gästen so beliebt ist, verwundert nicht. Denn seine Fleischerzeugnisse sind allesamt mit dem Produktelabel des Naturparks ausgezeichnet.

Lama-Trekking mit Isidor Sepp

Ein Königreich für Lamas

Sie heissen Braulio, Shelly, Sandro, Edelweiss, Heidi und Nevada und sind die vierbeinigen Attraktionen auf dem Hof Puntetta – die Lamas von Isidor Sepp. Die erhaben wirkenden Tiere stammen aus Südamerika, wo sie Transporteure und Fleischlieferanten sind. Gepäck tragen müssen sie aber auch im Val Müstair, auf den Trekkings mit den Gästen. Lamas sind eher anspruchslos und kommen mit 2 Kilogramm Heu pro Tag aus. Das ist rund 10-mal weniger als eine Kuh täglich frisst. Lustig ist, dass sie immer auf den gleichen Haufen koten, was das Ausmisten erheblich erleichtert. 

Lama-Trekking

Lama-Trekking mit Isidor

Geduldig lassen sich die Tiere die Halfter überstreifen und das Fell durchbürsten. Sie warten auch noch am Pfosten angebunden, während Isidor die Verhaltensregeln für das Trekking durchgibt: Nicht kreischen oder schreien, nicht nervös werden, Gelassenheit und Autorität ausstrahlen, postuliert er. Dann geht’s los, zuvorderst Isidor Sepp, dahinter die übrigen Teilnehmenden des Trekkings. Folgsam trippeln die Lamas hinterher, zumindest am Anfang. Dann beginnen sie auszutesten, wie weit die Autorität der Führpersonen reicht, ob sich einige Gräser vom Wegrand zupfen lassen und ob die Letzten nicht doch die Ersten sein könnten. So gilt es nach einiger Zeit, die Verhältnisse erneut zu klären, worauf die Lamas wieder tiptop mitmarschieren, zwei bis drei Stunden lang.

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«Touristiker» und Landwirt mit Leib und Seele

Mit einem leisen Pfiff holt Isidor Sepp die Lamas von der Weide. Folgsam traben sie herbei und lassen sich das Halfter anziehen. Darauf erklärt der Lamabauer die wichtigsten Verhaltensregeln, wie zum Beispiel nicht schreien oder kreischen und Autorität ausstrahlen und schon geht’s los auf die Lama-Trekking Schnuppertour.

Isidor Sepp aus dem Val Müstair ist Bauer und «Touristiker», respektive Vermittler zwischen Stadt und Land, beides mit Herzblut und viel Begeisterung. Gemeinsam mit seiner Frau und den beiden Söhnen betreibt er in Müstair einen Biobauernhof – mit sechs Lamas. Die sind allerdings eher das Tüpfelchen auf dem i, genauso wie die Handvoll Ziegen, die auch im Sommer vor dem Stall weiden. Grundsätzlich hält Isidor 30 Mutterkühe samt Kälbern und einen Stier. Über den Winter tummeln sie sich in seinem Stall, den Sommer verbringen die Tiere auf den Alpen im Val Müstair. Der Stall ist keiner wie man ihn sonst kennt, sondern eher eine Halle, ergänzt durch einen Unterstand. Dem Tierwohl tue das überhaupt keinen Abbruch, den hohen Kosten für einen neuen Stall hingegen schon, erklärt Sepp. Und da ist es zum ersten Mal, das Funkeln in seinen Augen und das verschmitzte Lächeln.

2010 hätten sie die ganze Landwirtschaft von Grund auf neu gebaut und nicht nur auf tiefe Kosten, sondern auch auf eine gute Eignung für den Tourismus geachtet. Denn auf diesem Gebiet ist er schon lange tätig, wie er erklärt: «1998 haben wir mit Schlafen im Stroh begonnen, damals war Agrotourismus in der Schweiz noch kaum bekannt.» Der Erfolg stellte sich rasch ein und bewog die Sepps auf dieser Schiene weiter zu fahren. 

Vom Skilehrer zum Tourismus-Unternehmer

Begonnen im Tourismus hat er, wie so mancher anderer Bauer auch, als Skilehrer. Während Jahren unterrichtete er Gäste auf Minschuns, dem Skigebiet im Val Müstair. Andere Menschen hätten ihn schon immer interessiert und den Austausch mit ihnen fand und findet er wertvoll, sagt Isidor. Tatsächlich entspricht er keineswegs dem Klischee des grummeligen und in sich gekehrten Berglers: Isidor ist eloquent und unterhaltsam. Keine Frage, dass seine Art bei den Gästen gut ankommt. Denn Gäste haben sie viele auf dem Hof, weil sie das entsprechende Angebot geschaffen haben. Dazu gehören eine Gruppenunterkunft im Massenlager mit acht Plätzen, Schlafen im Stroh mit sechs Plätzen und eine Ferienwohnung mit bis zu acht Betten. Rund 1'000 Übernachtungen jährlich generieren die Sepps mit ihren Angeboten. Und weil sich die Sepps mit dem Verlängern der Wertschöpfungskette auskennen, bieten sie den Gästen nicht nur die Unterkunft, sondern auch gerade noch die Verpflegung an – im eigenen Hofladen. Dort können sich die Leute mit Fleisch in Natura-Beef-Qualität eindecken. Es gibt aber auch Salsiz zu kaufen, Wein aus der Herrschaft in Bio-Qualität und Nusstorten aus dem Tal. Und weil gegenüber seines Hofes gerade noch der Campingplatz liegt, muss der Bauer Gefriertruhe und Kühlschrank im Sommer häufig nachfüllen.

Überhaupt ist der Sommer touristisch gesehen die Hochsaison für Familie Sepp. Das Massenlager beispielsweise ist im Winter gar nicht in Betrieb, da dient es dem Bauern als geräumige und wohltemperierte Umkleide. Des Bauern touristische Aktivitäten beschränken sich zur kalten Jahreszeit nicht mehr aufs Skilehrern, sondern primär auf Schneeschuhtouren, am liebsten mit den Gästen der eigenen Ferienwohnung. Ein Rundum-Paket also.

Zahme und genügsame Lamas

Im Sommer stehen vor allem Braulio, Shelly, Sandro, Edelweiss, Heidi und Nevada im Mittelpunkt. So heissen die Lamas, welche Isidor seit 2007 auf seinem Hof hält, um Schnupper-Trekkings anbieten zu können. Ursprünglich stammen die Tiere aus Südamerika, wo sie vor allem als Lastenträger und als Fleischlieferanten dienen. Isidor hat seine Truppe aber bereits in der Schweiz gekauft. Sie seien sehr anspruchslos in der Haltung und fressen bloss etwa zwei Kilogramm Heu pro Tag. Und was auch praktisch sei, ergänzt er, sie koten immer auf denselben Haufen, was das Ausmisten ungemein erleichtere.

Noch immer umringen die sechs Lamas Isidor, der sie etwas striegelt bevor es dann auf die Tour geht. Der Stolz auf seine Tiere ist ihm gut anzumerken. «Ich kann alle Tiere am selben Pfosten festbinden, ohne dass sie ein Durcheinander veranstalten. Bei Pferden oder nur schon Eseln würde das nie funktionieren», lässt er die Anwesenden an seiner Freude teilhaben. Kleine Liebkosungen zwischen Lamas und Herrchen gehören da ebenfalls dazu. Jetzt erst bindet er sie los und übergibt jedes Tier einem Teilnehmenden des Schnupper-Trekkings. Darunter sind auch zwei etwa neunjährige Knaben. Beide etwas nervös, plötzlich ein so grosses Tier führen zu müssen. Dies bemerken die Lamas relativ rasch und testen sofort aus, wer nun über mehr Autorität verfügt. Das sei normal, erklärt Isidor, wird dann aber doch etwas energisch, als einer der Knaben seiner Nervosität durch gellende Schreie Ausdruck verleiht. Doch nach einigen Metern in der Gruppe mit den Lamas am Seil überträgt sich die Ruhe, welche die Tiere eigentlich ausstrahlen auch auf die Kleinsten in der Gruppe. Das mit der Autorität klappt dann ebenfalls immer besser und das Lama-Trekking entwickelt sich zum unvergesslichen Erlebnis für alle Beteiligten. Ganz im Sinne von Isidor Sepp, Touristiker und Landwirt mit Leib und Seele.