Ein Haus voller Kultur und Begegnungen
Aldo Rodigari
Wo Kultur ein Zuhause gefunden hat
Die letzten Vorbereitungen laufen. Die Bühne ist bereit, die Technik eingerichtet, die ersten Gäste treffen ein. In wenigen Minuten beginnt die nächste Veranstaltung im Chastè da Cultura in Fuldera.
Mitten im Geschehen steht Aldo Rodigari. Er begrüsst die Künstler*innen, hilft bei den letzten Handgriffen und sorgt dafür, dass alles bereit ist. Für die Besucher*innen ist es nur ein Abend unter vielen. Für ihn steckt hinter jeder Veranstaltung viel Vorbereitung.
Das Chastè da Cultura befindet sich in einem Gebäude, das früher als Schulhaus genutzt wurde. Nach der Fusion der Schule Val Müstair und der Zusammenlegung der Schulstandorte stellte sich die Frage, wie die Räume künftig genutzt werden könnten. Daraus entstand die Idee einer Kulturstätte, die vom damaligen Gemeindevorstand unterstützt wurde. Heute finden hier regelmässig Konzerte, Kleinkunstveranstaltungen, Komödien und weitere kulturelle Anlässe statt.
Einmal pro Monat wird das Chastè da Cultura zum Treffpunkt für Einheimische und Gäste.
Wir versuchen unterschiedliche Veranstaltungen zu organisieren: Musik, Komödien und alles, was Kleinkunst ist
Über die Jahre hat sich das Kulturhaus einen Namen gemacht. Viele Künstler*innen kennen den Ort inzwischen und melden sich direkt, wenn sie mit einem neuen Programm unterwegs sind. Andere Kontakte entstehen über Agenturen und bestehende Netzwerke.
Für Aldo zeigt dies, dass das Chastè da Cultura seinen Platz gefunden hat.
Wenn es fehlen würde, würde man das merken.
Kultur mitten im Tal
Was das Chastè da Cultura besonders macht, ist ihre persönliche Atmosphäre. Der Saal bietet Platz für rund fünfzig Personen. Die Distanz zwischen Bühne und Publikum ist klein, Begegnungen entstehen ganz selbstverständlich. «Wir sind familiär und haben einen engen und ganz persönlichen Kontakt. Das schätzen die Leute auch.»
Für viele Besucher*innen ist genau das ein Grund, immer wieder zurückzukommen. Gleichzeitig bringt das Programm kulturelle Vielfalt ins Tal. Bekannte Künstler*innen und Musiker*innen treten in Fuldera auf und machen Kultur direkt vor Ort erlebbar.
Aldo ist überzeugt, dass dies für das Val Müstair wichtig ist.
«Man muss nicht unbedingt nach Zürich oder Chur fahren, um eine gute kulturelle Veranstaltung zu erleben.» Gerade in einer Region wie der Biosfera Val Müstair tragen solche Angebote dazu bei, dass das Tal für Einheimische und Gäste attraktiv bleibt.
Fussball als Gemeinschaftserlebnis
Neben der Kultur begleitet dem Jauer eine zweite Leidenschaft schon sein ganzes Leben: der Fussball.
Seit seiner Kindheit ist er mit dem Sport verbunden. Heute engagiert er sich als Trainer und hilft dabei, junge Spieler für den Verein zu begeistern. Dabei geht es nicht nur um den Sport selbst. Für Aldo spielt das Vereinsleben eine wichtige Rolle.
Im Tal seien die Möglichkeiten begrenzter als in grösseren Orten. Umso wichtiger sei es, dass Kinder und Jugendliche Teil eines Vereins werden können und dort Gemeinschaft erleben.
Deshalb setzt sich der Fussballclub gezielt für den Nachwuchs ein. Kinder trainieren gemeinsam, wachsen in den Verein hinein und können später selbst Teil der Mannschaft werden.
Heute spielen im Verein Menschen unterschiedlicher Generationen zusammen – von Jugendlichen bis zu langjährigen Spielern mit viel Erfahrung.
Es ist viel schöner, Teil eines Teams zu sein als Einzelsportler.
Verwurzelt im Val Müstair
Aldo Rodigari ist im Val Müstair aufgewachsen und dem Tal immer treu geblieben. Beruflich ist er in der Vermarktung bei der HOPPE AG tätig. Daneben engagiert er sich seit vielen Jahren freiwillig in verschiedenen Vereinen und Organisationen.
Sein Engagement im Tal ist vielseitig: im Chastè da Cultura, im Fussballclub, früher in der Politik, beim Nationalpark Bike-Marathon und in weiteren Bereichen.
Warum macht er das alles?
«Ich habe das Gefühl, es braucht Leute, die sich engagieren, freiwillige Arbeit machen und sich einsetzen.»
Dabei gehe es nicht darum, im Mittelpunkt zu stehen. Vielmehr sei es wichtig, Verantwortung zu übernehmen und einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten. Motivation geben ihm die positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Besonders die Reaktionen der Besucher*innen nach Veranstaltungen zeigen ihm, dass sich der Einsatz lohnt.
Damit das Tal lebendig bleibt
Wenn Aldo über die Zukunft des Val Müstairs spricht, kommt er schnell auf ein Thema zurück: den Nachwuchs.
Viele Vereine, Organisationen und Institutionen seien darauf angewiesen, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen und sich engagieren. Die grösste Herausforderung bestehe darin, genügend Leute zu finden, die bestehende Angebote weitertragen. Gleichzeitig sieht er grosse Stärken im Tal.
Die Natur, die Lebensqualität und die vielfältigen Möglichkeiten seien besondere Voraussetzungen für ein gutes Leben. Wenn er abschalten möchte, geht er joggen oder im Winter langlaufen. Draussen in der Landschaft findet er Ruhe und neue Gedanken.
Für ihn ist das Val Müstair ein Ort, an dem vieles möglich ist.
«Wir sind zwar weit weg von den Grossstädten, aber eigentlich fehlt nichts.»
Ein Satz, der gut zusammenfasst, weshalb sich Aldo Rodigari seit Jahren für seine Heimat einsetzt. Nicht weil er muss, sondern weil er überzeugt ist, dass Gemeinschaft vom Mitmachen lebt.
Text: Victoria Ellmer
Bilder: Dominik Täuber
Video: On Air AG
